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Posts Tagged ‘tektonische Platten’


27. März 2011, von Arne Jungjohann
Die Atomlobby beschwichtigt dieser Tage, dass in den USA ein so starkes Erdbeben oder gar Tsunami wie in Japan unwahrscheinlich sei. Schaut man jedoch, wo AKWs in erdbebengefährdeten Zonen betrieben werden, entpuppen sich einige Meiler als tickende Zeitbomben. Zwei davon, San Onofre und Diabolo Canyon, stehen in Kalifornien.

Wie Reymer Klüver in der Süddeutschen Zeitung berichtet, liegt das kalifornische AKW San Onofre „auf halbem Weg zwischen der südkalifornischen Millionenstadt San Diego und der Megametropole Los Angeles. Mehr als sieben Millionen Menschen leben im Umkreis von nur 80 Kilometern, weit mehr als im selben Radius um Fukushima: Das ist der Stoff, aus dem Megakatastrophen sind.“ Drei sehr aktive Bruchlinien befinden sich in unmittelbarer Nähe: in 35, 70 und 90 Kilometern Entfernung, darunter der berüchtigte San-Andreas-Graben.

Kurios: Nur zwei Wochen vor dem japanischen Tsunami warnten zehn kalifornische Abgeordnete das US-Energieministerium davor, dass beide AKWs in ihrem Bundesstaat anfälliger für Erdbeben seien als bislang angenommen. Besonders die Anlage San Onofre sei entgegen der Angaben des Betreibers nicht gegen Erdbeben und Tsunamis gewappnet. (Übrigens ist auch dieser Reaktor ein Paradebeispiel für die finanziellen Abenteuer, in die Steuerzahler immer wieder von der Atomindustrie hineingerissen werden. Das Kraftwerk wurde 1968 mit 188 Millionen US$ veranschlagt. Am Ende, als die beiden Reaktorblöcke in den 80er Jahren endlich ans Netz gingen, summierten sich die Kosten auf 5,5 Milliarden US$. Alles bezahlt von kalifornischen Stromkunden und Steuerzahlern.)

Wie steht es also um die Sicherheitsstandards bei Erdbeben? Die Behörden des Bundesstaates Kalifornien hätten dazu zwar viel zu sagen, aber haben wenig zu entscheiden. Einmal mehr kommt hier die nationale Atomaufsichtsbehörde NRC ins Spiel. Sie legt die Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke fest, überprüft deren Einhaltung und vergibt auf dieser Grundlage Betriebslizenzen. Als der Reaktor Diablo Canyon Mitte der 80er Jahre ans Netz ging, wurde ein Notfallplan im Falle eines Erdbebens nicht verlangt, wie Kris Kerham in der Huffington Post erläutert. Ein schweres Versäumnis der NRC, die sogar entsprechende Forderungen bekämpfte, dass ein solcher Erdbeben-Notfallplan verpflichtend für kalifornische Kraftwerke eingeführt wird. Es besteht also Nachholbedarf. Die NRC dürfe die Erdbebengefahr nicht länger ignorieren, fordert zum Beispiel der republikanische State Senator Sam Blakeslee, ein Geophysiker mit Schwerpunkt Erdbebenforschung.

Der Druck auf die NRC steigt, schärfere Sicherheitsstandards durchzusetzen. Dieser Tage hat die staatseigene Tennessee Valley Authority (TVA) ihre Pforten geöffnet, um Reportern Einblicke in den Betrieb eines Atomkraftwerkes in Alabama zu liefern. Ein bislang einmaliger Vorgang, der eine Flucht nach vorn gleich kommt, weil sich die kritischen Nachfragen zur atomfreundlichen NRC und den zu laschen Sicherheitsstandards häufen. Die Erdbebendebatte läuft inzwischen quer durch die USA, in Kalifornien, in New York State wie zuvor gebloggt, aber auch in South Carolina. Diese interaktive Karte zeigt, wo AKWs stehen und kürzlich Erdbeben gemessen wurden bzw. wo die 15 größten Erdbeben in der Geschichte der USA ganze Landstriche ins Wanken brachten. Das stärkste Erdbeben in ihrer Geschichte erlebten die USA pazifischen Nordwesten um 1700 als noch keine AKWs betrieben wurden. Die Zeiger der Richterskala wären bis auf 9,0 ausgeschlagen, also fast die gleiche Stärke wie das Beben vor der japanischen Küste.

Angst vor Beben in Kalifornien

von Daniel Huber – Erst bebte die Erde in Chile, dann in Neuseeland, schliesslich in Japan. Manche fürchten, nun sei Kalifornien an der Reihe. Dort ist ein Erdstoss überfällig.

Unter dem Titel «Das furchterregendste Erdbeben kommt erst noch» beschreibt der britische Journalist Simon Winchester im amerikanischen Magazin «Newsweek» ein äusserst beunruhigendes Szenario: Beben auf der einen Seite einer tektonischen Platte hätten oft Auswirkungen an deren anderem Ende. Auf das schwere Erdbeben der Stärke 8,8 auf der Momenten-Magnituden-Skala, das vor einem Jahr Chile erschütterte, seien im Februar der Erdstoss im neuseeländischen Christchurch (6,3) und kurz darauf das verheerende Beben in Japan (9,0) gefolgt. Dies könnte nun wiederum der Auslöser für ein Beben in San Francisco sein.

Tatsächlich ist ein Erdbeben in Kalifornien überfällig. Das bestätigt auch Dr. Donat Fäh vom Schweizerischen Erdbebendienst in Zürich. Doch der Experte warnt vor übereilten Schlussfolgerungen: «Man kann zwar nie etwas ausschliessen, aber bei dieser Sequenz wäre ich eher vorsichtig.» Fäh weist darauf hin, dass die Hauptverwerfung in Kalifornien, der San-Andreas-Graben, keine Subduktionszone ist wie jene, vor der Japan liegt. Der Inselstaat liegt nämlich auf der Eurasischen Platte, aber direkt östlich grenzen die Pazifische und die Philippinische Platte an. Diese beiden schwereren ozeanischen Platten schieben sich unendlich langsam unter die Eurasische Kontinentalplatte, wobei immer wieder gewaltige Spannungen entstehen, die sich dann in Erdstössen entladen.

Seitliche Verwerfung

Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der San-Andreas-Verwerfung, die sich in Kalifornien über eine Distanz von über 1000 Kilometern erstreckt, um eine so genannte Transformstörung. Bei solchen Verwerfungen driften tektonische Platten – in diesem Fall die Nordamerikanische und die Pazifische Platte – seitlich aneinander vorbei. Auch solche Störungszonen sind erdbebengefährdet; doch hier sind die freigesetzten Energien in aller Regel geringer als bei Erdstössen in Subduktionszonen, wie Fäh betont. Die ganz grossen Erdbeben, die «9er», wie Fäh sagt, treten nahezu ausschliesslich in Subduktionszonen auf.

Zwar ist auch Kalifornien schon von verheerenden Erdbeben heimgesucht worden – in unguter Erinnerung ist zum Beispiel das Erdbeben von 1906, das San Francisco verwüstete. Jedoch erreichte auch dieser Erdstoss, bei dem sich die Platten ruckartig um mehrere Meter gegeneinander verschoben, lediglich eine Stärke von 7,8. Die Momenten-Magnituden-Skala ist allerdings nicht der einzige Faktor, der das Ausmass der Schäden eines Erdbebens bestimmt. Das Erdbeben von Christchurch beispielseise richtete enorme Schäden an, weil die Stadt auf einem Flussdelta erbaut wurde, wo der Untergrund bei einem Erdstoss extrem unstabil wird. Solche wasserhaltigen, sandigen Böden werden bei starken Erschütterungen gewissermassen verflüssigt. Noch wichtiger ist die Distanz des Erdbebenherds zur Oberfläche; je dichter er bei der Oberfläche liegt, desto schlimmer das Beben.

Fatale vierte Ecke?

Daher könnte auch ein Erdbeben von geringerer Magnitude als das Superbeben in Japan in Kalifornien gewaltige Schäden verursachen. Winchester sieht eben ein solches unmittelbar bevorstehen, wenn er argumentiert, dass an drei Ecken der Pazifischen Platte – Christchurch im Südwesten, Japan im Nordwesten und Chile im Südosten – innerhalb eines Jahres katastrophale Beben aufgetreten seien und jetzt nur noch die vierte Ecke – eben Kalifornien – nicht betroffen sei. Geophysiker teilen diese Auffassung jedoch nicht. Nathan Bangs vom University of Texas Institute for Geophysics sieht keine Belege dafür, dass zwischen den erwähnten Beben eine Verbindung besteht.

Zwar können Erdbeben tatsächlich andere Erdstösse auslösen, aber nur in einem räumlich bedeutend engeren Zusammenhang. Die Pazifische Platte ist jedoch die grösste tektonische Platte unseres Planeten; zwischen Japan und Kalifornien liegen tausende von Kilometern. Überdies liegt zwischen Chile – das Winchester ja ebenfalls aufzählt – und der Pazifischen Platte noch die Nazca-Platte.

Das heisst jedoch keineswegs, dass San Francisco und Los Angeles nichts zu befürchten haben. Das nächste Beben in Kalifornien kommt so sicher wie das Amen in der Kirche – einer Studie zufolge wird ein schwerer Erdstoss den US-Bundesstaat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten 30 Jahre erschüttern, wie «Spiegel Online» bereits 2008 berichtete. In diesem Sinne dürfte Winchester mit seinem Titel Recht behalten.

http://www.20min.ch/wissen/news/story/Kommt-jetzt-das-grosse-Beben-in-San-Francisco–23227844

Quelle

http://klima-der-gerechtigkeit.de/2011/03/27/kalifornien-tickende-zeitbomben-atom-atomausstieg-usa-fukushima/

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