Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘armut’


Im krisengeschüttelten Portugal boomt der Handel mit dem Edelmetall. Hunderte Goldläden machen auf. Es geht ums Überleben: Für viele Portugiesen ist der Verkauf von Schmuckstücken das letzte Mittel, um den Bankrott zu vermeiden. von Tilo Wagner, Cascais

„Schlafzimmer der Reichen“: So nennt man im Großraum Lissabon die Bucht von Cascais. Seit mehr als 100 Jahren bauen portugiesische und ausländische Unternehmer, Adlige und Fußballstars hier ihre Villen. Doch die Wirtschafts- und Finanzkrise kratzt am Erscheinungsbild der mondänen Küstenstadt. Immer mehr Goldläden siedeln sich an, die sich auf den Handel mit dem begehrten Edelmetall spezialisiert haben. Denn der Verkauf von Familienschmuckstücken ist für viele Portugiesen der einzige Weg aus der Schuldenfalle.

Von außen sieht das Goldgeschäft einer Franchisingkette in der Fußgängerzone von Cascais noch recht freundlich aus. Doch in dem kahlen, fünf Quadratmeter engen Kundenraum wird schnell klar: Hier geht es nur um das eine.
Durch ein kleines Panzerglasfenster blickt Hugo Rodrigues, neben ihm Goldwaage und Taschenrechner. „Das Geschäft läuft gut“, sagt er. „Besonders Menschen aus einfachen Verhältnissen bringen ihre Wertsachen vorbei. Denn viele Portugiesen der älteren Generation kaufen Gold, wenn es ihnen wirtschaftlich gut geht, um in Krisenzeiten Reserven zu haben.“
Dieses Motto war für das autoritäre Salazar-Regime Mitte des 20. Jahrhunderts sogar Programm: Die Menschen blieben arm, der Staat besaß riesige Goldreserven. Bis heute ist das ähnlich – im März machten Portugals Goldreserven laut dem World Gold Council mit 383 Tonnen rund 81 Prozent der gesamten Staatsreserven aus. Nirgends sonst ist der Anteil so hoch.
Der Handel mit dem Familiengold boomt landesweit. Allein im vergangenen Jahr eröffneten in Portugal knapp 700 neue Goldläden. Die meisten davon gehören zu großen Franchisingunternehmen. Der Marktführer hat in den vergangenen drei Jahren 163 neue Geschäfte aufgemacht und weitet sein Netz nun auf Spanien, Brasilien und Mexiko aus. Seit Rodrigues seinen Laden im Januar 2010 eröffnet hat, haben sich sieben Konkurrenzunternehmen in Cascais angesiedelt.
Trotz steigender Nachfrage sieht der 29-Jährige seine Zeit in dem Geschäft als begrenzt an: „Das ist wie mit dem Immobilienboom. Plötzlich gab es Immobilienhändler wie Sand am Meer. Deshalb glaube ich: In vier bis fünf Jahren ist auch in dieser Branche alles vorbei.“
Quelle
Advertisements

Read Full Post »